Abstract Einreichung - jetzt geöffnet!
Wir laden Sie ein, einen Abstract für einen Vortrag oder eine Posterpräsentation im Rahmen der 16. Water Research Horizon Conference (#WRHC2026) bis zum 28. Mai 2026 einzureichen.
Die diesjährige Konferenz trägt den Titel “Theoria cum praxi: zukunft | wasser | gestalten”, angelehnt an den berühmten Leitsatz von Gottfried Wilhelm Leibniz.
Sessions
Auf der Water Research Horizon Conference 2026, die in Zusammenarbeit mit der DGL-Tagung in Berlin am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) vom 14.09 bis zum 15.09.2026 stattfindet, werden vier thematische Sessions angeboten.
Ziel ist es, den Dialog zwischen Theorie und Praxis zu stärken und gemeinsam zukunftsweisende Perspektiven für die Gestaltung wasserbezogener Systeme zu entwickeln. Erwünscht sind Beiträge, die aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze an der Schnittstelle von Wissenschaft, Praxis, Politik und Gesellschaft aufgreifen und Impulse für eine nachhaltige Wasserzukunft setzen.
Session 1: Future data for water future
Dringende wasserbezogene Herausforderungen wie der Klima- und Landnutzungswandel, Wasserknappheit und Umweltverschmutzung erfordern faktenbasierte Entscheidungsfindungen und intensive interdisziplinäre Anstrengungen, um ein wissenschaftlich fundiertes Monitoring unserer Ökosysteme zu sichern und voranzutreiben. Gleichzeitig werden Daten in immer größerer Geschwindigkeit und Menge produziert – sei es durch Satelliten, Sensornetzwerke oder Modellsimulationen. Die Herausforderung liegt in der potenziellen Diskrepanz zwischen diesen rasant wachsenden Datenquellen und den Datentypen, mit denen Fachgemeinschaften traditionell arbeiten; diese sind oft lückenhaft, unregelmäßig verteilt, räumlich oder zeitlich grobkörnig oder thematisch unvollständig (z. B. historische Beobachtungen, Felduntersuchungen oder Labordaten). Diese vielfältigen, teils gegensätzlichen Herausforderungen können durch kollaboratives Forschungsdatenmanagement und Wissensextraktion angegangen werden, unterstützt durch neue Technologien wie maschinelles Lernen (ML) und KI. Diese Sitzung konzentriert sich auf Dienste und Werkzeuge sowie effiziente Workflows und leistungsstarke Datenanalyserahmen für eine effektive Datennutzung. Dabei werden disziplinspezifische Ansätze aus der Wasserforschung, die Frage nach angemessenen Standards sowie die Relevanz und Umsetzung der FAIR-Prinzipien thematisiert – um die Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen.
Session 2: Water data and knowledge generation in times of AI and citizen science
Obwohl KI und ML die Datenanalyse in der Wasserforschung revolutionieren, sind sie kein Allheilmittel zur Bewältigung der globalen Wasserkrise. Ihre Wirksamkeit wird durch die Qualität und Verfügbarkeit von „Ground-Truth“-Daten (Bodenwahrheiten) sowie das Prozessverständnis begrenzt, das zur Erfassung komplexer hydrologischer Systeme erforderlich ist. Diese Session befasst sich mit der dringenden Notwendigkeit, den Fokus gezielt auf eine robuste Datengenerierung zu legen – beispielsweise durch kostengünstiges Monitoring, integrierte Ansätze und Citizen Science (Bürgerwissenschaft). Ziel ist die Abkehr von traditioneller, wartungsintensiver Infrastruktur hin zu skalierbaren, verteilten Netzwerken. Wir laden Forschungsbeiträge ein, die aufzeigen, dass Algorithmen ein grundlegendes Prozessverständnis hydrologischer Systeme nicht ersetzen können, und betonen, dass der Wert von Daten in ihrer wissenschaftlichen Integrität und ihrer Fähigkeit liegt, dieses Prozessverständnis zu verbessern. Die Session hebt den Eigenwert von Daten und empirischem Prozessverständnis sowie die fortwährende Notwendigkeit wissenschaftlicher Sorgfalt hervor, um Rohmessungen in handlungsrelevantes Wissen zu transformieren.
Session 3: Improved water balance quantification and process representation in the Anthropocene
Im Zeitalter des Anthropozäns prägen menschliche Eingriffe – von intensiver Bewässerung und Urbanisierung bis hin zu großflächigem Wassermanagement – zunehmend den hydrologischen Kreislauf. Diese Eingriffe werden durch die Auswirkungen des Klimawandels noch verschärft. Die genaue Quantifizierung der Wasserbilanzkomponenten in stark bewirtschafteten Einzugsgebieten bleibt eine große Herausforderung, da traditionelles Monitoring und Modellierung oft Schwierigkeiten haben, die Rückkopplungen zwischen Mensch und Wasser zu erfassen. Obwohl Fernerkundungsprodukte wie MODIS (für Evapotranspiration) und GRACE (für Speicherung) wertvolle Einblicke liefern, besteht die dringende Notwendigkeit, über diese grobskaligen Schätzungen hinauszugehen, um lokale Komplexitäten und Prozesse zu erfassen. Diese Session ist darauf fokussiert, die Darstellung hydrologischer Prozesse in anthropogenen Landschaften durch neuartige Monitoring-Techniken und verbesserte Modellstrukturen voranzutreiben. Wir begrüßen Beiträge, die menschliche Aktivitäten wie Wasserentnahme und Infrastruktur direkt in hydrologische Modelle integrieren oder hochauflösende Daten und Multi-Source-Fusion nutzen, um die Grenzen von Standard-Satellitenprodukten zu überwinden. Durch die Überbrückung der Lücke zwischen Beobachtung und Prozessdarstellung zielt diese Session darauf ab, einen interdisziplinären Dialog über den Schluss der Wasserbilanz in einer Welt zu fördern, in der „natürliche“ Einzugsgebiete nicht mehr die Norm sind.
Session 4: “Shifting baselines”
In Zeiten des Klimawandels, der Landnutzungstransformation und sich entwickelnder gesellschaftlicher Erwartungen wird es immer schwieriger, historische Referenzzustände zu rekonstruieren. Diese stellen möglicherweise keine erreichbaren oder gar erstrebenswerten Ziele mehr dar. Diese Session befasst sich mit dem Konzept der „Shifting Baselines“ – ein Konzept, das beschreibt, wie der Verlust von Informationen über frühere Umweltbedingungen die Annahmen darüber verändert, was im Laufe der Zeit als „natürlich“ gilt. Ziel ist es, kritisch zu untersuchen, wie vergangene und gegenwärtige Referenzzustände definiert, gemessen und interpretiert werden. Wir laden Beiträge ein, die Langzeitdatenserien, Paläo-Aufzeichnungen, historische Umweltarchive und retrospektive Analysen integrieren. Da Süßwasserökosysteme in der Regel in verknüpften sozio-ökologischen oder biokulturellen Systemen bestehen, sind sowohl ökologische Baselines als auch damit verbundene Referenzpunkte menschlich-ökologischer Interaktionen wichtig, um vergangene Daten zu kontextualisieren, die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft vorherzusagen. Aquatische Systeme, insbesondere Süßwassersysteme, stehen vor der zusätzlichen Herausforderung, dass viele ökologische Veränderungen unter der Wasseroberfläche stattfinden und daher gesellschaftlich „unsichtbar“ sein können, was potenziell die Festlegung von Renaturierungszielen beeinflusst. Besonderes Augenmerk liegt auf der Notwendigkeit, über statische Benchmarks hinauszugehen und sich auf adaptive und funktionsorientierte Referenzrahmen zuzubewegen, die kulturelle Werte, Governance-Kontexte und sozio-hydrologische Rückkopplungen berücksichtigen. Durch die Verknüpfung von Daten, Prozessverständnis und normativen Dimensionen trägt diese Session dazu bei, wissenschaftlich robuste und gesellschaftlich bedeutsame Referenzsysteme für die Gestaltung einer resilienten Wasserzukunft zu entwickeln.