14. Water Research Horizon Conference

Inwertsetzung der Wasserforschung

Bei der 14. Water Research Horizon Conference (WRHC 2024), die am 26. und 27. September in Leipzig stattfand, ging es darum, herauszufinden, wie Wasserforschung besser in Wert gesetzt werden kann, um Lösungen für aktuelle und zukünftige wasserbezogene Herausfor derungen zu finden. In drei Hauptsessions, einer Diskussionsrunde und einer abschließenden Plenarsession präsentierten und diskutierten Experten aus der Wasserforschung ihre Erkennt nisse zu den komplexen Wechselwirkungen zwischen Wasserverfügbarkeit, Ökosystem gesundheit und sozialer Resilienz. Die Diskussionen zeigten, dass verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen, um eine effektivere Inwertsetzung der Wasserforschung zu erreichen: Es muss nicht nur die praktische Umsetzung der Forschungsergebnisse durch politische Entscheidungsträger und Wassermanager, sondern auch die Wertschätzung für Grundlagenforschung und Lehre verbessert werden. Außerdem sollte die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit stärker gefördert werden.

Session 1: „Gibt es ausreichend Wasser für Mensch und Natur?“

Das Hauptthema dieser Session war die steigende Konkurrenz zwischen den menschlichen und ökologischen Wasserbedürfnissen. Die Referenten stellten Fallstudien aus Europa, Afrika und Australien vor, in denen es zum Beispiel um den Rückgang des Grundwasserspiegels, die Austrocknung von Flüssen, den Verlust von Feuchtgebieten und den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt ging. All diese Veränderungen waren auf die übermäßige Wasser entnahme für Bewässerung, Industrie und städtische Versorgung zurückzuführen. Die Forscher zeigten aber nicht nur die Probleme auf, sondern präsentierten auch innovative Lösungen für eine ökologische Gewässerregulierung. Dabei wurden sowohl naturnahe Strategien als auch nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken präsentiert. Die Schlussfolgerung dieser Sitzung war, dass ein integriertes Wasserressourcen management (IWRM) benötigt wird, das eine gerechte Wasserverteilung zwischen mensch lichen und ökologischen Bedürfnissen fördert.

Session 2: „Wie kann die Wasserqualitätskrise auf Ökosystemebene angegangen werden?“

In der zweiten Session stand die Frage im Vordergrund, wie ganze Ökosysteme auf verschie dene Schadstoffe reagieren und wie sich dies unter verschiedenen zukünftigen hydroklima tischen und sozioökonomischen Szenarien ändern könnte. Eine hervorzuhebende Erkenntnis war, dass Nährstoffe nicht nur aus der Landwirtschaft ins Wasser gelangen können, sondern dass auch Waldsterben zur Eutrophierung von Grund- und Oberflächenwasser führen kann. Insgesamt zeigte die Session deutlich, wie wichtig ein ökosystembasiertes Wasserqualitäts management ist. Außerdem wurde betont, dass eine Lösung der Wasserqualitätskrise nur durch eine stärkere inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit zu erreichen ist. Diese könnte zum Beispiel durch die bessere Ver knüpfung von hydrologischen, chemischen und biologischen Monitoringdaten und der Nutzung von Langzeitarchiven wie der Umweltprobenbank des Bundes erreicht werden. Darüber hinaus sollten Überwachungssysteme und Frühwarnnetzwerke entwickelt und eingesetzt werden, damit Verschmutzungsereignisse erkannt werden können, bevor sie zu ökosystem weiten Krisen führen.

Session 3: „Wie kann die Gesellschaft die Wasserkrise bewältigen?“

Das Ziel dieser Session war es, herauszufinden, wie sich die Gesellschaft an die zunehmende Wasserknappheit, die sich verschlechternde Wasserqualität und die klimabedingten Wasser risiken anpassen könnte. Die Referenten erörterten Herausforderungen wie den ungleichen Zugang zu Wasser, die ungleiche Belastung verschiedener Bevölkerungsgruppen und Kon flikte um grenzüberschreitende Wasserressourcen. Als Strategien zum besseren Umgang mit der Wasserkrise wurden eine dezentralisierte Wasserbewirtschaftung, eine KI-gestützte Wasserüberwachung und Innovationen zum Recycling von Wasser vorgestellt. Außerdem wurde herausgestellt, dass Kampagnen zur Verhaltensänderung stattfinden müssten, damit wassersparende Gewohnheiten auf Haushaltsebene erreicht werden können. Hervorheben lässt sich die Erkenntnis, dass die Bewältigung der Wasserkrise von der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren – von Regierungsbehörden und der Privatwirtschaft bis hin zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Basisorganisationen – abhängt. Damit die Gesellschaft auf die Auswirkungen des Klimawandels und die damit verbundenen Unwägbarkeiten vorbereitet ist, ist eine anpassungsfähige, integrative und vorausschauende Wasserpolitik notwendig.

Generationsübergreifender Dialog: Inwertsetzung der Wasserforschung

Ein neues Format dieser Tagung war eine Diskussionsrunde, in der Wasserforscher unter schiedlicher Karrierestufen darüber diskutierten, wie eine bessere Inwertsetzung der Wasser forschung erreicht werden könnte. Dabei sprachen sich die Teilnehmer für einen grund legenden Wandel bei der Bewertung der Forschung aus. Traditionelle Messgrößen wie die Anzahl der Veröffentlichungen und der Impact-Faktor sollten um umfassendere Kriterien wie den gesellschaftlichen und politischen Einfluss, Transferaktivitäten sowie die Umsetzung von Erkenntnissen in die Praxis ergänzt werden. Auch sollten der Wert von Lehraktivitäten höher wertgeschätzt und die Wissenschaftskommunikation verbessert werden. Hier wurden strukturierte Unterstützungssysteme innerhalb akademischer Einrichtungen vorgeschlagen, die dabei helfen sollen, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse effektiver in die Praxis zu übertragen. Zusätzlich sollte die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie, Politik und Praxis gestärkt werden, um die Entwicklung von technisch machbaren und wirtschaftlich trag fähigen Lösungen zu fördern. Aber nicht nur die praktische Umsetzung sollte einen höheren Stellenwert erhalten, sondern auch die Grundlagenforschung, die in der Zukunft zu großen Erkenntnissen führen kann, aber keine Erfolgsgarantie bietet.

Plenar-Abschlusssitzung: Von der wissenschaftlichen Erkenntnis zur praktischen Anwendung

Die WRHC endete mit einer Plenarsitzung, in der es um die praktische Umsetzbarkeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen ging. Hier wurden erfolgreich in die Praxis umgesetzte Projekte wie das FLOW- und das KAHR-Projekt vorgestellt. Das FLOW-Projekt konnte deutschlandweit interessierte Bürgerinnen und Bürger motivieren eine Gewässerbewertung an den wenig untersuchten Kleinstgewässern vorzunehmen. Durch gezielte Trainings- und Qualitätssicherungsmaßnahmen gelang es durch diesen Ansatz wissenschaftlich belastbare Daten zum Zustand der Kleinstgewässer in der Fläche zu erhalten – und Begeisterung für Fließgewässer zu wecken. Das KAHR-Projekt begleitet den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, um die betroffenen Regionen klimaresilient und zukunftssicher zu gestalten. Vorgestellt wurde der besondere transdisziplinäre Ansatz. Durch die enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis wurde risikobasierte Raumplanung, Hochwasserschutz und Wiederaufbaumaßnahmen so entwickelt, dass nachhaltige Resilienz und Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel geschaffen werden können. An beiden Beispielen wurden aber auch die Probleme diskutiert, die bei der Umsetzung solcher Praxisprojekte oft auftreten. Es wurde herausgestellt, dass bürgerwissenschaftliche Initiativen und Reallabore gute Möglichkeiten sind, um die Kluft zwischen Forschung und Praxis zu überbrücken, es aber keine allgemeingültige Formel für die Motivation von Praxispartnern gibt. Ein Problem für die Umsetzung innovativer Ansätze stellt die zeitintensive Übertragung in formale Standards dar. Es kann über fünf Jahre dauern, bis neue Methoden in etablierte Richtlinien, wie die der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), aufgenommen werden. Auch gibt es bei der Umsetzung oft regulatorische Hürden, Kommunikationsprobleme oder zeitliche Beschränkungen, die eine effiziente Integration guter Ideen erschweren. Durch die Session wurde insgesamt deutlich, dass nachhaltige Wasserlösungen solide Partnerschaften zwischen wissenschaftlicher Forschung, praktischer Umsetzung und politischen Rahmenbedingungen erfordern. Damit eine erfolgreiche Umsetzung erreicht werden kann, müssen Kooperationsnetzwerke gefördert, Schulungsmöglichkeiten verbessert und regulatorische Hindernisse verringert werden.

Fazit der 14. WRHC

Durch die präsentierten Studien und vielen Diskussionen wurde deutlich: Für die Gewähr leistung von Wassersicherheit brauchen wir anpassungsfähige, integrative und voraus schauende Lösungsansätze. Die Entwicklung und Umsetzung dieser Ansätze erfordern die Überwindung der traditionellen Grenzen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Die Konferenz zeigte nicht nur die komplexen Herausforderungen für die Wasserwirtschaft, sondern auch mögliche Lösungsstrategien: Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Innovation müssen gefördert und der Wert der Wasserforschung in verschiedenen Bereichen strategisch erhöht werden. Zur Bewältigung der Wasserkrise müssen nicht nur technologische Lösungen entwickelt und umgesetzt werden, sondern es muss auch zu einem Umdenken in Bezug auf unseren Umgang mit Wasser als lebenswichtige Ressource für die Gesellschaft und die natürlichen Ökosysteme kommen.

 

Das Programm der 14. WRHC als PDF-Download

Programm 14. WRHC_en